SELBST Coaching – Schnupperwoche 4

Gleich und Gleich ist doch nicht gleich

Zu der ENTWEDER-ODER-Denkweise passt auch gut, das sich mit anderen Vergleichen.

Wir sind dann entweder schlechter oder besser als XY. Schneller oder langsamer, dicker oder dünner. Und so weiter. Auffällig dabei ist, dass wir uns meist nicht in unserer Gesamtheit vergleichen, sondern uns ein bestimmtes Kriterium herausnehmen. Eine einzelne Facette von vielen. Das dient dann entweder dazu, uns ganz rechts auf der Skala von letzter Woche, oder ganz links davon zu fühlen.

So richtig realistisch wird es dadurch nicht …

„Ach könnte ich nur immer so ruhig bleiben, wie Anne. Es fällt ihr so leicht, immer drüber zu stehen.“ Ach wäre ich nur so schlank wie Birgit, dann könnte ich auch so tolle Jeans tragen“. „Hätte ich auch so ein cooles Auto wie Peter, … “ „Wäre ich nur selbständig wie Uwe, dann … “ “ Wenn ich nur auch so früh Kinder bekommen hätte wie …“ „Könnte ich auch Kinderauszeit nehmen, wie meine Frau/mein Mann, dann …“ „Könnte ich einfach täglich zur Arbeit gehen wie mein Mann/meine Frau, dann …“

Wir Menschen neigen dazu, uns zu vergleichen, uns dabei auch zu bewerten. Meistens kommen wir dabei nicht so gut weg, wie die anderen. Und unser Leben dann auch nicht. Die anderen habens besser, leichter als wir. Haben die problemloseren Kinder, liebevolleren Partner, tolleren Eltern, besseren Jobs. Den Spass im Leben für sich gepachtet. Das kann uns ganz schön runterziehen und verzweifeln lassen. Ooooh, wenn diese Tür erstmal auf ist …

Das, was wir dabei oft ausser Acht lassen, ist die andere Seite der Medaille. Und das tun wir besonders in Situationen, in denen wir das Gefühl haben, dass es besser laufen sollte.

Und manchmal ist es auch einfach zum Verzweifeln.

Bitte bleib dann nicht in Deiner Verzweiflung hocken. Saug nicht dauerhaft den  knallharten Dampf von Neid und Machtlosigkeit in Dich auf. Dreh Dich ein Stück auf die Seite und schau, was genau DICH ausmacht. Was da noch ist, ausser dem, was gerade schief läuft und Du gern austauschen würdest. Was genau Dich und Dein Leben einzigartig und besonders macht. In manchen Dingen vielleicht mit anderen vergleichbar, in manchen ganz sicher nicht. Je nachdem, welche Facette Du Dir herauspickst.

Und einmal mehr geht es nicht ums Schönreden, sondern darum, einen realistischen Blick zu gewinnen. Einen, der sowohl das eine als auch das andere sieht. Der im Bemerken der Unterschiede manchmal ein wenig sehnsüchtig und ein anderes Mal sich seiner Besonderheiten bewusst wird. Das macht versöhnlich und gelassen.

Aus der Praxis

Frau Lars (Name geändert)  zum Beispiel hat sich oft mit ihrem Mann verglichen, als sie zu Hause bei den Kindern war. „Wie gut ers hat. Er geht morgens aus dem Haus und muss sich um nichts kümmern, und ich bin hier den ganzen Tag angbunden und fremdbestimmt.“ meinte sie. Heute sieht sie das anders und ist froh, soviel Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben, auch wenn sie dabei wirklich oft fremdbestimmt war. Und ja, sie hat sich gegen Karriere und für Kinder entschieden. Erstmal! Ihr Leben ist ja noch nicht zu Ende 🙂

Ihr Mann hatte sie übrigens auch beneidet. Dafür, dass sie in seinen Augen so stressfrei in den Tag starten konnte, während er schon morgens in der Bahn Stress hatte. Beide haben sich nur eine Facette rausgepickt und dann verglichen. Die Realität sah anders aus.

Er dachte dabei nicht an die Fremdbestimmung, an die schmutzigen Windeln, an das Geschrei am Spielplatz und die wunden Knie.
Sie wiederum hatte keinen Sinn für sein wackeliges Projekt, den Stress als Abteilungsleiter und die schwierigen Kundengespräche, die ihn manchmal in den Wahnsinn trieben.

Zum Thema „VERGLEICHEN“ und „SICH FINDEN“ habe ich heute eine Hörgeschichte für Dich vorbereitet: „Das kleine ICH-BIN-ICH„

Eine wunderbare Kinderbuchgeschichte von Mira Lobe, die auch für Erwachsene herzerwärmend schön ist.


Das kleine ICH-BIN-ICH auf der Suche nach sich selbst. Lange vergleicht es sich mit anderen.

Bis es herausfindet, so wie es ist, ist es genau richtig. So wie es ist, ist es liebenswert und am Ende auch glücklich.

Also:  Gemütlich machen, zuhören. Lernen und schmunzeln. 🙂

 

 

Mach Dir in dieser Woche bewusst, wie oft Du Dich mit anderen vergleichst. Deine Ansichten, Dich und Dein Handeln. Wie fühlt sich das an, wenn Du das tust? Welche Gedanken gehen Dir dann durch den Kopf? Ist Dein Kritiker im Spiel? Oder Dein Forscher, der offen für Anderes, für Neues ist? Versuche nicht, irgendetwas zu verändern, denn die Veränderung kommt dann, wenn Du genau erforscht hast, wie es bei Dir ist und Du Dich verstehst und erstmal so begreifst, wie Du im Moment gerade bist.

Mach also keine voreiligen Schritte nach links oder rechts 🙂

Nimms einfach wahr, bemerke es und sei dabei freundlich. Es geht nicht darum, Dein Tun zu bewerten, sondern Dich kennenzulernen, mit allem was dazu gehört. Sei aufmerksam und pass gut auf Dich auf 🙂

Und denk auch an die Arbeitsblätter der letzten Wochen. Du kannst sie sooft ausdrucken, wie Du magst und Deine Erfahrungen aufschreiben 🙂

Viel Spass und viel Vergnügen
beim Dich Entdecken

Franziska Müller