Leben unter Druck

Fühlen Sie sich auch oft unter Druck? Zeitdruck, Termindruck, wirtschaftlicher Druck, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, Beruf, Familie, Sportverein, Musikschule… ? In meiner Jugend stand in jeder Küche, die etwas auf sich hielt, ein Schnellkochtopf, bei uns in Österreich als Kelomat bekannt. Das Gag daran war der im Topf herrschende Überdruck, der die Kochzeit deutlich verkürzte. Aber wehe, der Druck wurde zu groß und das Ventil hielt dem nicht stand. Das gab dann eine ziemliche Sauerei in der Küche!

Ein bisschen Druck kann uns durchaus gut tun und uns beflügeln. Wir alle kennen Menschen, die erst unter Zeitdruck so richtig in Schwung kommen. Aber wenn der Druck zu stark wird, dann ist nichts mehr mit Schwung, ganz im Gegenteil, dann wird es rasch bleiern und lähmend.

Darum lohnt es sich, zu schauen, wo der Druck herkommt. Der kommt nämlich gar nicht immer von außen, sondern ist oft hausgemacht! Es sind gar nicht immer die anderen oder die Umstände, die uns unter Druck setzen – sehr oft sind wir es selbst.

Meine Oma hat wunderbare Marmelade gekocht, auch Kompotte und Gelees. In der Einkochzeit werkelte sie oft bis zur Erschöpfung. Die Einmachgläser stapelten sich im Keller und irgendwann wurde sie ihre Schätze nicht mehr los. Wir hatten nämlich alle gar keine große Lust mehr auf Eingemachtes. Trotzdem hat sie noch eine ganze Weile lang weitergemacht mit ihren „Einkochfesten“. Kurz vor ihrem Tod hat sie mir allerdings anvertraut, dass sie richtig bereut, soviel Zeit mit der „blöden Einkocherei“ vertan zu haben. Es wäre viel besser gewesen, sie hätte sich in dieser Zeit mit uns beschäftigt. J

Und Sie?

Womit verbringen Sie Ihre Zeit? Und was davon ist tatsächlich für Sie wichtig, was bringt Sie weiter oder macht Ihnen Freude?

Gibt es nicht eine ganze Menge Dinge, für die Sie sich zuständig fühlen, die aber ebenso gut jemand anderer übernehmen könnte?

Bestimmt fallen Ihnen auch allerhand Arbeiten ein, sei es im Haushalt, sei es im Büro oder in der Werkstatt, die Ihnen unverzichtbar erscheinen, aber bei näherer Betrachtung gar nicht notwendig sind?

In manche Verpflichtungen rutscht man so hinein. Anfangs ist der Aufwand nicht groß und vielleicht macht man es ja auch gerne. Und später hinterfragt man es nicht mehr. So kommt eines zum anderen und irgendwann merken Sie, dass Sie keine Zeit und keine Energie mehr haben und sich aufreiben. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, sich kritisch anzuschauen, wofür Sie Ihre Zeit, Ihr Hirnschmalz und Ihr Herzblut aufwenden.

Vielleicht unterteilen Sie Ihre Überlegungen in mehrere Bereiche: Familie, Partnerschaft, Freunde, Beruf, Hobby, Sport… Und jetzt geht es ans Ausmisten: Was ist verzichtbar? Was ist im Laufe der Zeit bedeutungslos geworden? Was kann in Zukunft jemand anderer übernehmen?

Und auf der anderen Seite: was macht Ihnen Freude, was tut Ihnen gut, gibt Ihnen Kraft und Energie – was nährt Sie? Und vor allem, wie oft gönnen Sie sich diese Nahrung für Herz und Seele? Wann haben Sie zum letzten Mal von Herzen gelacht oder übermütig getanzt? Wie oft gönnen Sie sich ein luxuriöses Schaumbad mit schöner Musik – und einem Glas Sekt dazu? Oder einen Spaziergang ganz für sich allein, um Ihren Gedanken nachzuhängen? Einen ausgiebigen Tratsch mit der Freundin oder einfach einen Nachmittag mit heißer Schokolade und einem guten Buch?

Ich weiß, wir haben gelernt, dass es sich nicht gehört, die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Und doch ist es wichtig, das zu tun. Auch unsere Seele braucht Nahrung und wenn sie diese nicht bekommt, dann verkümmert sie. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie sich selber etwas Gutes tun! Ganz im Gegenteil – je liebevoller Sie mit sich selbst umgehen, umso mehr strahlt diese Liebe auch nach außen. Je besser es Ihnen geht, umso besser tun Sie auch Ihrer Umwelt!

Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse ernst und gönnen Sie sich hie und da etwas Nahrung für Ihre Seele. Wenn Sie richtig ausgemistet haben, dann ist auch wieder genug Zeit dafür!

Viele schöne und nährende Momente wünscht Ihnen

Ihre
Karin Immler


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