Die Sache mit dem Selbstwert

Ab und an hat jeder von uns mal das Gefühl, ein bisschen mehr davon könnte es schon sein. Wir schauen dann sehnsüchtig auf Menschen, von denen wir denken, sie seien gesegnet mit einem gesunden Selbstwert. Oder manchmal auch verächtlich auf diejenigen, von denen wir meinen, sie hätten zuviel davon!

Wie kommt  man denn nun an dieses Ding, das sich Selbstwert nennt? Im besten Fall wurde es uns mit in die Wiege gelegt.

Und wenn nicht?

Ist es dann für immer verloren?
Die gute Nachricht ist: Wir können ein Leben lang etwas dafür tun! 🙂

Durch verschiedene Ereignisse in unserem Leben sind wir mit mehr oder weniger Selbstwert ausgestattet. Er wird einerseits genährt durch uns selbst und andererseits auch durch andere Menschen in unserem Leben.

Als Kind sind wir fast ausschliesslich abhängig von der Möglichkeit, unseren Wert durch andere zu spüren, oder auch zu erfahren.

Ein Beispiel: Die kleine Susi zeichnet einen Elefanten. Susi ist 4, ihre Lieblingsfarbe ist rosa und das Zeichnen von grossen Säugetieren ist auch wirklich schwierig. Aufgeregt bringt sie das fertige Bild ihrer Mama.

1. Szene
„Schau, was ich gemalt habe“. „Oh da bin ich aber neugierig, Du hast etwas gemalt. Was ist es denn genau?“ „Ein Elefant und er trinkt gerade aus dem Brunnen“ „Oh ein Elefant, der aus dem Brunnen trinkt und Du hast ihn rosa angemalen. Durstig ist er und einen langen Rüssel hat er auch. Wow das hast Du toll gemacht.“

2. Szene
„Schau, was ich gemalt habe“. „Aha und was soll das sein?“ „Ein Elefant …“ „Ein Elefant? So sieht doch kein Elefant aus und sicher auch nicht rosa, Elefanten sind grau. Du musst noch viel lernen!“

 

In welcher Szene wird Susis Selbstwert wohl genährt? Was wird sie dazu motivieren, weiter zu malen, kreativ zu sein und sich auszuprobieren, Gipfel zu stürmen?

Und welche Variante wird sie eher dazu verleiten, Gedanke zu entwickeln wie: Ich mach eh alles falsch, ich kanns nicht recht machen, ich bin dumm … ?

 

Wenn wir also beim Nähren und Erhalten unseres Selbstwerts von Menschen abhängig sind, denen es Mühe macht, uns wertschätzend und freundlich, offen und interessiert zu begegnen, dann wird unser Bedürfnis nach Anerkennung und Selbstwertstärkung nicht erfüllt werden. Wenn wir nun ausserdem nicht gelernt haben, unsere eigenen Fähigkeiten zu schätzen, vielleicht sogar dazu neigen, unser Wirken abzuwerten: Dann wird der arme Selbstwert hungrig ins Bett gehen müssen.

 

Gesunde Selbstwertstrategien für Ihren Alltag

Mülltonne auf und hinein mit …

Eigenlob stinkt
Ach das kann doch jeder
Ach das ist doch nicht Besonderes
Mich nimmt keiner ernst
Ich kann das nie schaffen
Ich werde ewig ein Loser bleiben
Oh mein Gott, ich bin einfach zu blöd dafür

Es gibt soviel, womit wir uns runterziehen, uns abwerten, uns einsperren uns keine Chance geben, zu wachsen und uns gesund wichtig zu fühlen. Lassen Sie Ihren inneren Kritiker nicht zu gross werden und die Führung übernehmen. Sie sind so viel mehr als dieser Teil von Ihnen! Wir alle haben einen inneren Kritiker und in gesunden Dosen ist er wirklich hilfreich, in zu hohen Dosen macht er uns klein und krank!

Schatzkiste auf und hinein mit …

Heute habe ich meiner Familie ein tolles Mittagessen gezaubert
Meiner Kollegin am Morgen die Tür aufgehalten
Ein nettes Gespräch mit der Nachbarin geführt
1000 Schritte für meine Fitness getan
Mein Kind mit einem Lächeln von der Schule abgeholt
Mich schick für den Abend gemacht
Der Freundin/dem Freund beigestanden
Einen kreativen, rosa Elefanten gemalt!

Unser Leben ist voll mit Talenten, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir manchmal als völlig selbstverständlich, oder gar wertlos erleben. Lassen Sie sich die täglichen Gelegenheiten, Ihren Selbstwert zu stärken, nicht entgehen. Es sind ansonsten verlorene Jetons für ihren Selbstwert. Werden Sie stattdessen wachsam und achtsam dafür. Geben Sie dem wohlwollenden Teil in sich ein bisschen mehr Platz, sie werden sich damit sicher besser fühlen.


 

Auf welcher Achse sind Sie meistens unterwegs?

Achten Sie darauf, dass Sie beim Selbstwert nähren durch sich SELBST nicht ein Gefühl von „einsam“ und „ich brauch/hab niemanden“ entwickeln. Andere könnten Sie als Eigenbrötler oder gar überheblich und egozentrisch/egoistisch wahrnehmen. Gönnen Sie sich verlässliche, vertraute Beziehungen.

UND: Achten Sie darauf, wenn Sie Ihren Selbstwert durch ANDERE nähren, dass Sie sich nicht zu sehr von anderen abhängig machen, was Ihren Wert betrifft. Sehen Sie diese Achse als Bereicherung und nicht als allein gültig. Sie sind ansonsten verleitet, sich zu verbiegen, Ihre eigenen Bedürfnisse nach hinten zu stellen, sich zu sehr anzupassen, damit andere Ihren Wert anerkennen … Sie mögen … Sie nicht verletzen.

Scheuen Sie sich nicht, Ihren Selbstwert auch durch andere zu nähren. Suchen Sie sich dafür Menschen aus, die Sie mögen, die Ihnen positiv zugetan sind. Denen Sie vertrauen. Von denen Sie erwarten dürfen, dass sie Sie nicht verletzen. Gönnen Sie sich gute Gespräche und vor allem auch mal Lob von dieser Seite. Geben Sie Acht, bei wem Sie sich öffnen, wer Ihr Vertrauen verdient hat. Und seien Sie sich bewusst, dass Sie jederzeit genährt und auch verletzt werden können.

Eine gesunde Balance zu finden zwischen den Dingen die wir selbst tun können um unseren Selbstwert zu nähren und dem, was andere für uns tun können ist eine sehr lohnende Herausforderung. Den Mut zu fassen, sich auf andere einzulassen und zu vertrauen, kann ein grosser Schritt sein.

Mein Selbstwerttagebuch 

Vielleicht wird es Ihnen Freude machen, ein Selbstwert-Tagebuch zu führen 😉
Kaufen Sie sich ein schönes Heft oder Büchlein. Eine Karte dazu, die Ihnen gefällt und Sie anspricht und kleben Sie diese auf die erste Seite. Das wird Ihr Selbstwerttagebuch. Und schreiben Sie hinein, was immer Sie mögen. Täglich, einmal die Woche … oder einfach immer, wenn Sie Lust dazu haben.

Momente, die Sie glücklich machen, Momente, in denen Sie stolz sind, etwas erreicht haben, jemand für Sie da war und Ähnliches. Füllen Sie Ihr Werte-Tagebuch und gönnen Sie sich diese Fülle, besonders dann, wenn es Ihnen mal grade nicht so gut geht.

Viel Vergnügen und viel Spass dabei! Wie heisst es so schön in der Werbung?

….. weil Sie es sich wert sind!

Ihre
Franziska Müller


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