Dein inneres Kind und Du – Teil 2

Innere Kinder und wie Du sie erkennst

Zweiter Teil der Serie zum Inneren Kind

Eins möchte ich noch voraus schicken: Wir alle haben Innere-Kind-Anteile in uns, das hat nichts mit multiplen Persönlichkeiten zu tun. Es ist eigentlich sogar völlig normal. Auch ist es normal, dass diese in unterschiedlichen Altersstufen vorhanden sein können.

Normal, weil es ein völlig legitimer Vorgang Deiner Psyche ist, solche Anteile zu entwickeln. So, wie Dein Körper eine Narbe entstehen lässt, wenn Du Dir eine Wunde zuziehst. Viele Menschen erleben ihre Innere-Kind-Anteile als hinderlich, sich selbstbewusst, frei und glücklich zu fühlen. Und so ganz unrecht haben sie damit nicht. Zumindest was die verletzten Anteile angeht.

Wenn innere Anteile unbemerkt und unbeschützt unser Leben (mit)bestimmen, dann ist das tatsächlich oft hinderlich. Auch wenn Innere-Kind-Anteile alles geben und darin sehr bemüht sind. Aber denk daran, wenn Dein inneres Kind 5 Jahre alt ist und sich gegen Deinen Chef stellt, oder Deinen Partner … auch wenn es sehr bemüht ist, wird es nicht viel ausrichten können, eventuell auch gar nicht ernst genommen werden. Und möglicherweise kennt es das nur zu gut … sich zu bemühen und am Ende doch nichts zu erreichen …

Während der Therapie kommt es nicht selten vor, dass die erwachsenen und die kindlichen Anteile nichts voneinander wissen, oder sogar, nichts voneinander wissen wollen. Es ist wirklich wichtig, das auch erstmal zu verstehen und zu akzeptieren. Im Laufe der Zeit werden sie sich annähern. Ganz bestimmt.Ich habe es schon 100fach erlebt, auf immer wieder neu berührende Weise.

Wenn innere Kinder unser Leben bestimmen

Ich will Dir heute ein Beispiel erzählen, in dem ich selbstverständlich den Namen zum Schutz der Privatsphäre  geändert habe. Die Geschichte handelt von einem kleinen traumatisierten Mädchen, das seinen geliebten Vater früh verloren hatte. Für ihn war sie die Prinzessin. Das Leben bis dahin ein Märchen. Von der Mutter wurde sie schon als Kind gehasst und verspottet. Nach dem Tod ihres Vaters und dem ausgeliefert Sein an die gefühlskalte, psychisch kranke Mutter entstand ein traumatisierter Innerer-Kind-Anteil, der mich vor einigen Jahren in Form der erwachsenen Frau Neiber in der Praxis aufsuchte:

Frau Neiber, eine attraktive Mitvierzigerin, kam zu mir in die Praxis, weil sie sich nicht von ihrem Freund trennen konnte. Er behandelte sie – freundlich ausgedrückt – wie einen Schuhabtreter, er benutzte sie und warf sie weg, holte sie sich wieder und verschwand erneut für Wochen. Sie konnte nichts dagegen tun, sie wollte ihm unbedingt beweisen, dass SIE die Richtige für ihn war, sie wusste es, sie war sich ganz sicher. Sie hätte alles getan, um es ihm zu beweisen, ihn zu bekehren. Von mir wollte sie erfahren, wie sie es anstellen sollte. In ihrem Job opferte sie sich für wenig Geld extrem auf, ihr Chef war ein Choleriker. Er schrie sie an, brüllte abends oder auch am Wochenende ins Telefon und zitierte sie zur Arbeit. Sie wusste sich nicht zu wehren. Er machte sie runter, beschimpfte sie und als sie schwer krank wurde, wollte er sie kündigen, weil sie in seinen Augen nicht belastbar war und er auch ihre zig offenen Überstunden nicht bezahlen wollte. Das sei sie sowieso nie wert gewesen.

Gibt es Heilung? Hört es irgendwann auf?

Ja. Im Falle von Frau Neiber haben wir lange miteinander gearbeitet und ich freue mich sehr, dass sie heute glücklich verheiratet ist.  Als sie zu sich selbst gefunden hatte, ihre wunderbaren Talente bemerkte, sich endlich stark und sicher gefühlt hatte, kam der Prinz auf dem weissen Ross. Einer, der keine Spielchen spielte, der keine Abwertung und keine Verletzungen brauchte. Einer, der sie liebte, wie sie war und zwar nicht trotz ihrer Ecken und Kanten sondern deswegen. 🙂

Auf den Hochzeitsfotos strahlte sie in ihrem Prinzessinnenkleid und ich hab heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ihren Job hat sie gekündigt und den Kontakt zu ihrer verletzenden Mutter pflegt sie nur sporadisch und mit viel Vorsicht. Ganz möchte sie den Kontakt nicht abbrechen.

… und wenn sie nicht gestorben sind?

Ich will hier aber nicht so tun, als ob Hokuspokus und wenn sie nicht gestorben sind … alles so einfach wäre. Denn das ist es nicht. Entstandene Narben sind Narben, auf die eine oder andere Weise haben wir sie alle. Es ist wichtig und hilfreich, sie zu kennen, zu verstehen und dafür zu sorgen, dass diese alten Wunden unter besonderem Schutz stehen. Unter Deinem Schutz. Unter Deinem liebevollen, fürsorglichen Schutz.

Ein „Ach, stell Dich nicht an, das ist doch alles längst vorbei“ hilft leider nicht weiter. Es ist eine erneute Verletzung und Missachtung. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, Dir Deiner Narben bewusst zu werden, Dein inneres Kind zu bemerken und zu verstehen. Für es da zu sein.

Dein inneres Kind

Hast Du das Gefühl, dass Du Dein inneres Kind schonmal bemerkst hast? Magst Du es? Ist es Dir lästig und würdest Du es gern loswerden? Wie ist es? Eher scheu und zurückhaltend, vielleicht ängstlich? Oder ist es frech, trotzt es jeder Anweisung und will sich lieber alleine durchschlagen. Wittert es ständig Gefahr? Glaubt es, ALLES meistern zu können? Möchte es jederzeit und jedem hilfreich zur Seite stehen? Ist es krativ? Naiv? Neugierig? Ein Neunmalklug? Leicht gekränkt oder schnell auf 180?

Denke immer daran: Es ist  ein Teil von Dir.

Ein wunderbares Lied zu diesem Thema hat Sarah Connor gschrieben …

 

Hier gehts zum ersten Teil

In unserem neuen Kurs 2018 wird Dein Jahr werden wir uns unter anderem auch intensiv mit Deinem inneren Kind auseinandersetzen. Dein Jahresprogramm für Persönlichkeitsentwicklung.

Mehr zum Kurs  **2018 wird DEIN Jahr**  

 

Bis bald!
Deine Franziska Müller


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2 Gedanken zu „Dein inneres Kind und Du – Teil 2

  1. Danke für den zweiten Blogbetrag zum inneren Kind.
    Mich beschäftigt es immer wieder, es ist spannend auf sein inneres Kind zu treffen, es wahrzunehmen und anzunehmen……..und es zu verstehen.

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